Suuene, Suryfene, Söven

Der Bürgerverein Söven dankt Herrn Josef Strötgen; Auf dem Komp 25; 53773 Hennef-Rott für die freundliche Erlaubnis, sein mit Liebe geschriebenes Kassenbuch Nr.4 "Söven; Geschichte(n) und Bilder", hier zu veröffentlichen um die Geschichte von Söven bis zu den 1980ziger Jahren zu erzählen.
Das Nachbardorf Rott taucht in den alten Urkunden fast immer als Soevenrode (oder in ähnliche Schreibweise) auf. Daher ist anzunehmen, daß dort von Söven aus gerodet wurde, Söven mithin älter sein muß.  Im Mittelalter befand sich der Grundbesitz fast ausschließlich in den Händen weltlicher und geistlicher Herrschaften. In Söven ging im Laufe der Jahrhunderte fast aller Boden in geistlichen Besitz über. 1803 wurden die geistlichen Güter mit dem „Reichsdeputationshauptschluß“ der weltlichen Herrschaft übertragen, wurden größtenteils verkauft und aufgeteilt. Viele Gebäude endeten als Steinbrüche für Neubauten. Der älteste bekannte Hof in Söven ist der Rheindorfer oder Fronhof, der zum Kloster Schwarzrheindorf gehörte und wahrscheinlich um 1830 abgerissen wurde. Der Zissendorfer Hof („mitten im Sövener Dorf gelegen“) gehörte dem Zisterzienserinnen-Kloster in Zissendorf, der Abtshof („oben im Sövener Dorf“) gehörte zum Kloster Siegburg, der Ramersdorfer Hof gehörte der Kommende der Deutschordensritter in Ramersdorf und wurde wohl 1807 verkauft. Der Felderhof gehörte der Zisterzienserabtei Heisterbach, blieb nach 1803 als „Domaene Felderhof zu Soeven“ in Staatsbesitz und ist heute im Privatbesitz als letzter der alten Klosterhöfe erhalten.Daneben gehörten noch Güter zur Schloßkapelle Blankenberg, die wohl nach 1803 mit dem Felderhof zusammengelegt wurden. Die Karte von Tranchot/Müffling läßt um 1816/1818, also ein gutes Jahrzehnt nach der Enteignung der geistlichen Güter, immer noch etwas von der alten Struktur des Dorfes erahnen:
 
Die Verbindung nach Rott ist die heutige Rotter Straße, die nach Süden die Oberpleiser Straße (rechts, am Hommericher Siefen). Der Hauptweg von Söven nach Geistingen führt hinter Dürresbach vorbei; die Sövener Straße existiert noch nicht. Die heutige Blankenbacher Straße führt oberhalb des jetzigen Tannenhofes wieder auf die Oberpleiser Straße (etwa in Höhe des Hählenhofes). Blankenbach ist wegemäßig an Rott angebunden.  An der Kreuzung links (westlich) von Söven befinden sich heute Feuerwehrhaus, Sportplatz und Schule. Der Weg von der Kreuzung nach Süden heißt heute „Am Frohnhof“. Die an diesem Weg eingezeichneten Häuser dürften zu dem Hof gehört haben, bzw. wurden auf dem ehemaligen Gutsgelände gebaut. Sonst konzentrieren sich die Häuser an den heutigen Straßen „Unter Birken“ und „Zinnestraße“, vor allem in der Umgebung der Kapelle. Das sind wahrscheinlich die Reste der geistlichen Güter. Die gesamte Fläche zwischen Zinnestraße und Oberpleiser Straße ist frei. Rechts von der Oberpleiser Straße ist Gut Felderhof zu erkennen, etwas südlich davon wahrscheinlich das Blankenberger Kapellengut. Die Zerstückelung der ehemaligen Kirchengüter durch Erbteilung, Teilverkauf usw. brachte es mit sich, daß von der alten Hofstruktur und der Bausubstanz aus dem 18. Jahrhundert kaum etwas mehr vorhanden ist. Allerdings blieb das alte Kerngebiet um die Zinnestraße noch bis in die heutige Zeit hinein der Kern Sövens: Hier standen die Geschäfte, arbeiteten Handwerker, hier steht die Kapelle und hier waren lange Zeit die stattlichsten Häuser zu finden. Felderhausen war noch bis 1934 ein eigenes Dorf. Das alte Ortsschild hing bis in die 1990er Jahre - umgedreht als Schutz eines Gefaches (Pfeil)- am Haus Dornbusch (Oberpleiser Straße 17).
Das Haus, das heute in der scharfen Kurve steht, war früher das Eckhaus an einer wichtigen Kreuzung: Geradeaus geht es wie heute nach Westerhausen und links nach Kümpel. Nach Rott und Geistingen geht es direkt an der Hausecke rechts.  Der Fotograf stand um 1930 mitten auf der Durchgangsstraße nach Wippenhohn (Jetzt Grünanlage). Die Felderhausener und die Sövener haben meistens zusammengehalten, vor allem dann, wenn es um die traditionellen Auseinandersetzungen mit der Rotter Jugend ging, die regelmäßig zur Rotter Kirmes, oft aber auch nach der sonntäglichen Andacht mit großer Hingabe ausgetragen wurden und meistens an der Demarkationslinie „Hochstadt“ (etwa zwischen Hausmann und Löbach) endeten. Bei diesen feierlichen Veranstaltungen war die Kampfkraft der zahlreichen und starken Felderhausener Bauernjungs unverzichtbar.
Hier ist Gut Felderhof auf einer Luftaufnahme aus den 50ern zu sehen.
Heute ist das Gut in privater Hand und ein landwirtschaftlicher Nutzbetrieb. www.facebook.com/gutfelderhof/

Eine Sonderstellung unter den Sövener Höfen scheint Haus Dürresbach einzunehmen. Es war anscheinend nicht in geistlichen Besitz und wurde angeblich gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf den Resten eines alten Adelssitzes erbaut. Heute ist es Sitz des Golfclubs Rhein-Sieg e.V..
So sah der Hof um 1927 aus. Vorn steht die kleine Tochter des Besitzers, Sophie Heckelsberg (jetzt Frau Rademacher, Ittenbach), rechts füttert Käthchen, damals Angestellte bei Heckelsbergs, die Hühner; die zwei Herren im Sonntagsstaat dahinter sind ebenfalls Angestellte. Rechts ist der Eingang zur Hof-Schmiede zu sehen.
Heute befindet sich auf dem Gelände des Gutshofes das "Haus Dürresbach" mit Reitanlage und dem Sitz des Golfclubs Rhein Sieg e.V. www.gcrs.de
Die meisten Höfen waren aber waren Familienbetriebe, bei denen der Mann oft noch in der Fabrik oder in einem anderen Beruf arbeitete. Die Böden der Hennefer Obergemeinde sind zwar in der Regel gut und fruchtbar, aber über Generationen hinweg wurden die Höfe durch Erbteilung immer weiter zersplittert, bis sie schließlich nicht mehr die Familien ernähren konnten.
Der Hof von Adolf Fußhöller in Felderhausen ist typisch für die kleinen landwirtschaftlichen Anwesen in den zwanziger Jahren.  Sie sehen meistens nach schwerer Arbeit mit wenig Ertrag aus. Die Gebäude sind durchweg alt und windschief, die Gefache der Scheune mit Schwemmstein ausgemauert und nicht verputzt. Der Boden ist kaum befestigt. Traktoren sind noch eine große Seltenheit. Das Standard-Transportmittel ist der einachsige Pferdekarren mit schulterhohen Rädern für den Einsatz in schwerem Boden. Vorn steht ein Exemplar wie es z.B. bei der Rübenernte verwendet wurde, mit festen, aber niedrigen Seitenteilen. Im Hof steht der Karren, der für leichtere Lasten wie Heu oder Stroh gedacht ist und der deshalb hohe Seitenteile wie Leitern hat. Neben der Landwirtschaft und etwas Handwerk gab es in Söven kaum eine Arbeitsmöglichkeit. Die meisten arbeiteten in Fabriken in Deutz, Troisdorf und Siegburg. Seit etwa 1880 bis in die 1920er Jahre hinein gab es zwischen Söven, Haus Dürresbach, Steimelshof und Wippenhohn noch mehrere Quarzitsteinbrüche, in denen 70 bis 80 Einwohner Sövens Arbeit fanden. Das „Steinklopfen“ war schwere körperliche Arbeit. Jungen gingen oft mit dem Schulende im Alter von 14 Jahren dorthin. 
1951 war noch ein Bruch in der Nähe von Haus Telegraph in Betrieb. Er gehörte den Gebrüdern Limbach aus Hühnerberg und förderte ca. 1000 Tonnen jährlich. Bis in die 1980er Jahre befand sich zwischen Haus Dürresbach und der Sövener Straße noch ein Teich. Das war der Überrest eines alten Quarzitbruches. Der Zweite Weltkrieg hat vom alten Söven kaum etwas übriggelassen. Nahezu alle Häuser wurden 1945 durch Artilleriebeschuß zerstört oder zumindest schwer beschädigt. Für viele Eingesessene und noch mehr für die, die der Krieg dorthin verschlagen hatte, war das dringendste Problem das Dach über dem Kopf. Baumaterial war kaum zu bekommen und so zimmerte man sich in Eigenarbeit aus alten Wehrmachtsbaracken und an was man sonst noch kam, Hütten zurecht, die oft mehr als zwanzig Jahre lang als Unterkunft dienten.   
Hier ist Margarethe Rörig (später Frau Marks) zu sehen, wie sie vor ihrem Behelfsheim (so hießen die Baracken damals) in einer alten schweren Holzschubkarre Steine transportiert. Allerdings ist das Foto in etwas besseren Zeiten gemacht, denn die Baugrube rechts gehört schon zu dem „richtigen“ Haus Marks, Zinnestraße 45. Rechts hinten schaut das Haus Behr zwischen den Bäumen durch.
In den 50ern und 60ern ging man mit der wenigen Bausubstanz, die den Krieg überdauert hatte, ziemlich sorglos um. Schließlich waren die alten Bauten meistens reparaturbedürftig; darüber hinaus entsprachen sie nicht dem neuen Komfortgefühl vom Wohnen in hellen modernen Räumen. Und daher riss man einfach ab, was nicht mehr in die neue Zeit passte, so auch 1957 den alten Strickerhof an der Zinnestraße, direkt neben dem Geschäft von Pefu. Der Abbruch alter Häuser wurde durchaus als ein Fortschritt gesehen, und Landwirte, die vor zwanzig oder dreißig Jahren halfen, die alten Bauten niederzulegen, erzählen noch heute von den Schwierigkeiten, die das elastische Fachwerk den leichten Treckern bereitete. Aber der Fortschritt ist eben nicht aufzuhalten - und er zieht schon direkt nach 1945 in Söven ein: Autos in Söven, ein Ereignis, zu dem die Kinder gelaufen kommen. Das Bild ist kurz nach dem Krieg entstanden, denn das alte Cabrio hat, bereits ein ziviles Kennzeichen. Die Straße zwischen Söven und Rott ist noch nicht geteert. Ganz hinten sieht man über der rechten Baumreihe den Rotter Kirchturm. Der Weg links im Bild ist heute die Straße „Am Fronhof“ mit der Grundschule, rechts geht’s jetzt zum Feuerwehrhaus und zum Sportplatz.
In den 50ern beginnt Söven zu wachsen.1959 wird die grüne Wiese am oberen Teil der Birnbaumallee zum Bebauen freigegeben. Adams bauen ihr Haus Blankenbacher Str. 26.
Bäuerlicher Alltag

1908 wurde in Söven das Mähen mit „Seech on Hooch“ (Kurzsense und Haken) fotografiert.
Über Jahrhunderte hinweg war dies die übliche Form der Getreideernte: Mit einem Haken in der linken Hand wurde ein Büschel Halme für den Sensenschlag (mit der rechten) festgehalten. Der Zweite von rechts und der Vierte von links (Ferdinand Schüchter) halten links den Haken und rechts die Seech. Ein anderer Haken ist zwischen den beiden Männern links mit dem Griff in die Erde gesteckt. Die Kunst bestand darin, die Halme so gleichmäßig niederzulegen, daß die Binder sie ohne Verlust aufnehmen konnten. Das Binden zeigen hier der dritte Mann von links und der dritte von rechts (Schneidermeister Fußhöller). Der Mann ganz links dengelt die Klinge auf einem kleinen transportablen Amboß. Wahrscheinlich benutzt er dazu den zweischneidigen Dengelhammer, der auch „Herrenhammer“ hieß. Der zweite von links schärft sie mit dem Wetzstein. Ob der Junge (ganz rechts) Wasser für den Wetzstein oder Flüssiges für die Schnitter bringt, ist nicht klar. Diese anstrengende Mähtechnik wird heute nur noch von ganz wenigen beherrscht. Auch die Rübenernte war eine Schinderei. Die Knollen wurden mit der Gabel gelockert, von Hand gezogen, mit dem Spaten vom Laub getrennt
und dann auf die Karre geworfen. Die Frau auf der linken Bildseite schneidet das Laub aber nicht mit dem Spaten, sondern mit einem spatenähnlichen Gerät: es hat ein schmaleres, gebogenes Blatt und einen extrem langen Stiel. Dieser Stiele ist wie der anderen Arbeitsgeräte nicht schön rund und ergonomisch gestaltet, sondern es sind Äste aus Esche oder Hasel, die man im Wald schnitt und zurichtete. Der Junge in der Mitte zeigt eine frisch gezogene Rübe. Die Frau rechts trägt einen Haken, mit dem die Rüben aufgenommen und auf den Wagen geworfen werden konnten.  Das Bild dürfte um etwa 1930 aufgenommen worden sein, wahrscheinlich auf den Feldern südlich von Söven. Die Männer tragen Schaftstiefel oder hohe Manschetten gegen den Dreck, während die Frauen in langen Kittelschürzen und leichteren Schuhen arbeiten. Zwei Frauen haben die Schürzen hochgebunden, damit sie bei der Arbeit nicht stören. Auch noch in den 50ern war Landarbeit viel Handarbeit: Hier sortieren Lieschen Friedrich (vorn) und Maria Nolden Kartoffeln. 
Rechts ist das Schild der alten Postagentur auf der Zinnestraße zu sehen. Schon seit Klosterzeiten wurden die Abwässer in Jauchegruben gesammelt. Erst lange nach dem Krieg schrieb die Gemeinde Hennef eine Klärung in häuslichen Dreikammergruben vor, die regelmäßig von Saugwagen zu entleeren waren. Ein Kanalbau war noch in weiter Ferne.  So blieb für Fäkalien das alte Prinzip der Jauchegrube lange Jahre der Normalfall und die Grundlage für einen biologischen Gartenbau. Sonstige Hausabwässer wurden oft einfach zusammen mit dem Regenwasser in den Rinnstein entsorgt (wo oft auch der Überlauf der Jauchegrube endete). Toiletten mit Wasserspülung waren noch längst nicht die Regel, und viele ältere Häuser hatten nur ein einfaches Herzhäuschen auf dem Hof mit einem „Plumpsklo“. Das war eigentlich nur ein Brett mit einem runden Ausschnitt drin (dem Vorläufer der „Klobrille“) und einem einfachen Deckel drauf. Darunter befand sich ein Faß oder die Grube. Ein solches Häuschen steht noch (allerdings schon lange außer Betrieb) auf dem Hof von Josef Dahlhausen. Hier ist der Deckel zu sehen, der das Loch verschließt. Auf der Seite gab es gewöhnlich einen Haken, auf den zugeschnittenes Zeitungspapier gespießt war.
Für die Jüngeren ist es fast unvorstellbar, daß auch bei Kälte und Regen nur das unbeheizte Plumpsklo zur Verfügung stand, zu dem man oft noch über den Hof laufen mußte. Aber auch die Wasserklosetts endeten in den Jauchegruben, aus denen nur ein Teil der Flüssigkeit versickerte. Fässer und Gruben mußten regelmäßig geleert werden. Dazu kam kein Pumpenwagen, sondern das machte man selbst, entweder mit einer Jauchepumpe (die hatten aber nur Bauern) oder von Hand mit der Jauchescheppe (Addelschepp). Die war etwa so groß wie ein kleiner Eimer und an einem langen Stiel befestigt. (Nach dem Krieg wurden viele der herumliegenden Stahlhelme dazu umgebaut.)  Hier zeigt uns Wilhelm Peter, Schwiegersohn von Peter Fußhöller, was mit dem Grubeninhalt geschah: Er wurde als Dünger im eigenen Garten verwendet. Damit war der Kreislauf geschlossen: Der Garten lieferte das Gemüse für das tägliche Leben und erhielt dafür wieder zurück, was davon übrig blieb. Kunstdünger wurde eigentlich nur für die großen Flächen der Landwirtschaft eingesetzt.
Die Kapelle, die in Eigeninitiative der Dorfbewohner erbaut und gepflegt wurde, war zwar nie eine richtige Kirche, spielte aber im religiösen Leben des Dorfes stets eine bedeutende Rolle. Heute finden dort - nach jahrzehntelanger Unterbrechung - wieder die traditionellen Totenwachen vor der Beerdigung Sövener Bürger statt. Die Kapelle ist auch Start- und Zielpunkt der Prozessionen. 
Dazu wurden früher Blumenteppiche gelegt. Mit Pappschablonen zeichneten die Anlieger die Muster auf den Straßen vor; zwei Tage vor der Prozession wurden Blumen und Blüten in Feld und Flur gesammelt und in aller Herrgottsfrühe am Prozessionstag auf die angefeuchteten Muster gelegt. In den 50ern war der Junggesellenverein für diese Organisation verantwortlich. Hier ist der Altar der 1953er Fronleichnamsprozession an der Mauer von Colling (früher Höhner) zu sehen.  Dort geriet auch um 1955 an einem windigen Prozessionstag während des feierlichen Segens der Altarhimmel durch eine Kerze in Brand. Der Meßdiener Franz-Josef Leon stürzte unerschrocken mit wehender Kutte an den Brandherd und riß kurzerhand den Himmel ab. Die feierliche Handlung konnte daraufhin ungestört ihren Verlauf nehmen.
Jährliche Wallfahrten nach Kevelaer waren für viele Gläubige gleichzeitig eine religiöse Verpflichtung wie auch eine willkommene Abwechslung vom dörflichen Einerlei. Lange Jahre sammelte der Rotter Landwirt Müller („Heckelsberg“) die frommen Pilger in den Dörfern auf und karrte sie auf seinem Leiterwagen zum Hennefer Bahnhof. Von dort aus ging es nach Siegburg, wo der Pilgerzug zur Abfahrt nach Kevelaer bereitstand. Dort wurde die fromme Schar vom Pastor abgeholt, zog zur Wallfahrtskirche und zum Kreuzweg, stärkte sich in einer der vieler Pilgergaststätten, nahm den Rückzug nach Siegburg und fuhr abends mit dem Leiterwagen wieder heim. Und so sehen wir denn auch hier (um 1930) auf dem offiziellen Wallfahrtsphoto eine Gruppe müder Sövener kurz vor der dortigen Marienkapelle:
Vornweg pilgert (mit dem Spazierstock) Wilhelm Kümpel, neben ihm Johann Neuhalfen, dahinter Christian Dahlhausen. Helene Schüchter trägt den Mantel über dem Arm, Elisabeth Thomas schaut in die Kamera und Katharina Olbertz singt ergreifend schön.
Auch in Söven spielten die „Kath. Gesellenvereine“ (später „Kolpingvereine“) eine wichtige Rolle: Viele Familien konnten nicht mehr von der Landwirtschaft leben und so suchten die Männer oft ihr Auskommen in Industrie und Handwerk. Viele von ihnen machten eine Lehre und begannen als selbständige Handwerker (Schmied, Schneider, Schreiner etc.) für die Kundschaft der näheren Umgebung, die meisten aber fingen nach der Lehre als „Handwerker“ (heute würde man sie „Facharbeiter“ nennen) in den Industriebetrieben von Hennef, Siegburg und Troisdorf an, oftmals aber auch weit von daheim weg.  Für diese gelernten Leute bot der von der Kirche geleitete Gesellenverein eine Heimat, die ihnen neben Geselligkeit auch Weiterbildung und moralische Standfestigkeit vermittelte und die sich durchaus als Bollwerk gegen eher marxistisch geprägte Arbeitervereine und Gewerkschaften verstand. So war es auch in Söven fast selbstverständlich, daß jeder Handwerker im Gesellenverein war. 1913, ein Jahr vor Beginn des ersten Weltkriegs, sind Josef Richarz und Josef Fußhöller bei der Feier zum 100. Geburtstag von Vater Kolping in Köln. Die Karte mit dem Foto schicken sie 1914 als „Soldatenkarte“ mit dem Absender „Trainsoldat Fußhöller“ und einem Gruß von Richarz an die Verwandten in Söven.
Josef Fußhöller ist wahrscheinlich der zweite von links; er ist auch auf dem Erntefoto von 1908 zu sehen.
Die „Birnenallee“ Kurz nach 1900 bepflanzte die Baumschule Dahs & Neuenfels aus Blankenbach die Straßenränder von dort nach Söven mit „Zwiebelbirnen“. In ihrem 1925er Katalog wirbt sie mit dem unten abgebildeten Bild (Söven liegt links oben hinter der Kuppe).  Die Bäume waren nicht nur Schmuck, sondern wichtige Nutzpflanzen. Die harten Birnen wurden vom Boden aufgesammelt und eimerweise für die Gewinnung von Birnenmus an Händler verkauft. Nach 1945 gab es pro Eimer es einen Groschen, erinnert sich Franz-Josef Leon.
 
Neujahr 1954 geht der Blick von Söven aus in Richtung Blankenbach. Rauhreif überzieht die Zweige. Die Bäume sind erheblich dicker geworden und noch fast vollzählig vorhanden. Sie liefern immer noch den Rohstoff für das Birnenmus. Lange Jahre galt die blühende Birnbaumallee als Sehenswürdigkeit. In einem ADAC-Atlas aus den Siebzigern ist sie deshalb auch besonders gekennzeichnet. Von den originalen Bäumen stehen heute kaum noch welche. Die meisten gingen an Altersschwäche zugrunde.  Um 1990 wurden neue gepflanzt. Unbekannte verstümmelten sie jedoch eines nachts an den Veredlungsstellen.
Die Zinnestraße war jahrzehntelang das wirtschaftliche Zentrum Sövens. Um 1910 besaßen die Brüder Schenkelberg stattliche Häuser:
PeterSchenkelberg führte das „Warenhaus“ , das dessen Sohn Peter bis ca. 1980 leitete. Auf diesem Foto (rechts, um 1917) stehen seine Töchter auf der Treppe.
Christian Schenkelberg betrieb die Gastwirtschaft (später „Zum Nußbaum“, jetzt „Sövener Hof“)
Peter Schenkelberg betrieb um 1905 auch das Sövener Futter- und Düngemittellager der Spar- und Darlehnskasse Rott, das ab 1925 von der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft Söven mit einem Lager auf dem Hof von Bolz, Oberpleiser Straße, bis in die sechziger Jahre  fortgeführt wurde. Das Warenhaus führte ein wahrhaft  reiches Sortiment: Lebensmittel incl. Fleischerei, Textilien, Eisenwaren, Schmier- und Putzmittel, Petroleum, Schreibwaren, Kau- und Rauchtabak, Drogerieartikel, eben so alles, was man auf dem Dorf benötigte. Es war gleichzeitig das Einkaufszentrum auch für Rott.  Peter Schenkelberg betrieb nebenher dort noch einen Rasiersalon, in dem mittwochs und freitags bis abends gegen 11 Uhr die Herren des Dorfes geglättet wurden. Die einfache Rasur kostete 5 Pfennige, Haareschneiden 10 Pfennig.  Die Söhne Schenkelbergs seiften die Kunden ein, der Vater schwang Messer und Schere. In Rott hatte er ein Zimmer bei Schonauer (gegenüber von Pickenhan) gemietet, wo er auch stundenweise die Rotter unter das Messer nahm (solange, bis Friedrich Wilhelm Dornbusch in seinem Haus in der alten Vikarie einen eigenen Rasier- und Frisiersalon aufmachte).    Aber damit waren die Aktivitäten von Peter Schenkelberg noch lange nicht erschöpft: Er besuchte in Bonn an der Klinik einen Kurs als Heilpraktiker schloss ihn mit einer Prüfung ab, war Gehilfe des Geistinger Homöopathen Strawe und sicherte so die medizinische Grundversorgung der Obergemeinde, inklusive der Zahnmedizin. Bekannt war er für seine Kunst, Zähne zu ziehen.
Auf der Zinnestraße arbeiteten bis in die 1990er Jahre noch Schmiede. Vermutlich geht der Standort dieses Handwerks auf abteiliche Zeiten zurück, waren doch die Höfe auf Schmieden angewiesen wie wir heute auf Tankstellen. Auf dem Bild von ca. 1925 befindet sich die Schmiede von Heinrich Richarz etwa an der Stelle des jetzigen Hauses Nr. 18a. 
Vor der Haustür steht Frau Christine Richarz  (links) mit der Tochter Christine (später Frau Josef Lütz). Der junge Mann in dem schicken Reitanzug, der auf sein Pferd wartet, ist wahrscheinlich Peter Gierlach, dessen Hof (Zinnestr. Nr. 5) noch existiert. Im Hintergrund steht, kaum zu erkennen, der Meister Heinrich Richarz. Neben Gierlach steht gebückt (im helleren Hemd) Sohn Johann Richarz, der um 1930 nach einem Grundstückstausch die Schmiede auf die andere Straßenseite verlegte.
Dort wurde sie bis in die 1990er hinein von Willi Weingarten, dem Schwie-gersohn von Johann Richarz, weiter betrieben, der nebenher auch noch ein kleines Haushaltswarengeschäft führte.
Es gibt aber wohl kaum einen alten Sövener, der nicht im Fahrrad- und Haushaltswarenladen von Peter Fußhöller (genannt Pefu) auf der Zinnestraße eingekauft hätte.
die Waschmaschine Marke "PEFU"
...und ihr Geheimnis: das Getriebe
Fußhöller war Schlossermeister und hatte hinter dem Laden eine zwar große, aber ziemlich vollgestellte Werkstatt, in der er nicht nur Fahrräder reparierte, sondern neben allgemeinen Schlosserarbeiten auch dem Erfinden nachging. Immerhin war er der erste Deutsche, dem ein Patent auf eine vollautomatische Waschmaschine erteilt wurde. Eine aufstrebende Bielefelder Firma wollte die Pefu- Maschinen produzieren, erhielt aber von Pefu keine Lizenz, weil sie unter dem Namen „Miele“ vertrieben werden sollten. So fertigte Peter Fußhöller seine Maschinen in seiner Werkstatt eben selber und verkaufte im Laufe der Jahre immerhin etwa 300 Stück davon. Die Maschinen waren wegen ihrer Robustheit beliebt und oft jahrzehntelang in Betrieb. Nach Pefus Tod (1983) wurde die Werkstatt mit allen alten Maschinen, Konstruktions- und Patentunterlagen, Modellen und Werkstücken inklusive einer funktionierenden Waschmaschine nach Ehrenbreitstein ins Rheinische Landesmuseum geschafft, wo sie wieder aufgebaut werden soll.
Hier bedient Katharina Fußhöller Stammkundinnen: Vorn rechts wartet „Schäfers Traut“.
Das Ladengeschäft, das an die Werkstatt angrenzte, war ursprünglich das Geschäft von „Kliese Marie“, die dort in einem dunklen Verlies Lebensmittel verkaufte. Pefus Frau Katharina betrieb es weiter. Daneben besserte sie als Schneiderin und Büglerin das Familieneinkommen auf und betrieb zeitweise ein winziges Textilgeschäft im gleichen Hause (das Fenster links von der Haustür). Pefus Tochter Gerda Peter verlegte den Lebensmittelladen nach gegenüber, auf die andere Straßenseite in einen Neubau und betrieb ihn bis in die 80er Jahre hinein als EDEKA-Geschäft. Doch mit der Eröffnung des ersten großen Supermarktes in Hennef (heute HIT-Markt) war das Ende des Dorfladens gekommen: Er konnte weder im Sortiment noch in den Preisen mithalten, und so kaufte man schließlich bei Peter nur die Sachen, die man im Globus vergessen hatte, auch wenn man das erst am Samstagabend merkte.
Der Laden diente nicht nur der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs; mindestens ebenso wichtig war seine Rolle als Kommunikations- und Nachrichtenzentrum.
Bis in die 50er Jahre hinein gab es auf der Zinnestraße sogar noch einen dritten Laden: Hein und Trine (Katharina) Schütz, später das Ehepaar Ziegenhohn, verkauften in der jetzigen Nr. 1 Lebensmittel. Leider war von diesem Haus im alten Zustand (mit  Laden) kein Bild mehr aufzutreiben. Außerdem konnte man bei Berta und Matthias Thomas in der Zinnestraße (heute Nr. 40) Süßigkeiten kaufen, vor allem die köstlichen „Seidenkissen-Bonbons“. Heute ist von dem regen Handwerks- und Geschäftsleben der Zinnestraße so gut wie nichts mehr übriggeblieben.  Das Auto ließ Söven immer mehr zur Wohngemeinde werden, deren Einwohner auswärts arbeiten und sich in großen Geschäften in Hennef, Oberpleis oder sonst wo versorgen. Eine Luftaufnahme aus den Sechzigern zeigt die zweite Traditionswirtschaft in Söven, das „Gasthaus zur Krone, Matth. Schultes“. Bis 1996 führen Krügers die Wirtschaft weiter. Danach wird der alte Bau zu Wohnungen umgebaut.
Die Bushaltestelle ist noch vor der Wirtschaft, da, wo der VW steht. Ein paar Jahre nach der Aufnahme richtete die Volksbank Hennef ihre Filiale Söven in dem kleinen Anbau hinter den Lindenbäumen ein und blieb dort bis in die Achtziger Jahre, als der Neubau gegenüber an der Ecke Zinnestraße errichtet wurde, der dann Ende der Neunziger wieder geschlossen wurde. Ganz unten ist in der linken Bildecke der Giebel des Hauses Schütz zu erkennen, der bis zum Umbau 1974 noch zur Straße hin ausgerichtet war.. Die Straße „Steinenkreuz“, die nach oben durch das Bild läuft, ist erst kurz zuvor im Zuge der Flurbereinigung angelegt worden. Bis dahin verlief dort nur ein Feldweg. Das Kreuz an der Zusammenführung mit der Felderhauser Straße gab ihr den Namen; es stand ursprünglich auf dem Gelände von Haus Dürresbach und mußte der Umlegung weichen.[1]
[1] Hinweis von Heinz Rademacher, Ittenbach, der damals an verantwortlicher Stelle an der Flurbereinigung mitwirkte.